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Unerlaubte Telefonwerbung: Beschwerdezahlen steigen, Branche kritisiert Datengrundlage

 – Alexander Jünger

Die Zahl der Beschwerden über unerlaubte Telefonwerbung ist im Jahr 2025 erneut gestiegen. Wie die Bundesnetzagentur mitteilt, gingen insgesamt 39.842 schriftliche Beschwerden ein. Das entspricht einem Zuwachs von sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr mit 37.561 Fällen. Nach Einschätzung der Behörde bleibt unerlaubte Telefonwerbung damit ein relevantes Verbraucher- und Wettbewerbsproblem.

„Im Jahr 2025 sehen wir wie schon im Vorjahr wieder einen Anstieg der Beschwerdezahlen. Unerlaubte Werbeanrufe schaden Verbraucherinnen und Verbrauchern massiv und sind zugleich ein ernstes Problem für den Wettbewerb in den betroffenen Branchen. Wir gehen weiter mit großem Nachdruck gegen Unternehmen vor, die unerlaubte Telefonwerbung betreiben“, sagt Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur.

Mehr als 28 Prozent der Beschwerden entfielen 2025 auf das Thema Gewinnspiele. Im Vorjahr lag dieser Anteil noch bei rund 20 Prozent. Weitere häufig genannte Bereiche waren Dienstleistungen mit etwa zehn Prozent sowie Bauprodukte mit rund acht Prozent der Beschwerden. Zu den Bauprodukten zählt auch die Telefonwerbung für Photovoltaikanlagen. In diesem Segment gingen die Beschwerdezahlen im Vergleich zum Vorjahr deutlich zurück. Nach Angaben der Bundesnetzagentur ist dies unter anderem auf verstärkte Bußgeldverfahren gegen unseriöse Anbieter zurückzuführen.

Auch bei unerlaubten Werbeanrufen zu Strom- und Gaslieferverträgen verzeichnete die Behörde einen Rückgang. Der Anteil der Beschwerden sank von knapp 14 Prozent im Jahr 2024 auf 11,5 Prozent im Jahr 2025. Insgesamt führte die Bundesnetzagentur im vergangenen Jahr 13 größere Bußgeldverfahren durch und verhängte Geldbußen in Höhe von mehr als 1,099 Millionen Euro. Im Vorjahr lag die Gesamtsumme noch bei 1,37 Millionen Euro. Erstmals sanktionierte die Behörde zudem Verstöße gegen die Pflicht zur Dokumentation und Aufbewahrung von Werbeeinwilligungen. Diese Verpflichtung gilt für werbetreibende Unternehmen seit Oktober 2021. Nach Angaben der Bundesnetzagentur fehlte bei den betroffenen Unternehmen eine ausreichende Dokumentation, was zu zahlreichen unerlaubten Werbeanrufen geführt habe.

Kritik an der Darstellung der Zahlen kommt vom Deutschen Dialogmarketing Verband (DDV). Der Verband bemängelt, dass die veröffentlichten Beschwerdezahlen ohne weitergehende Differenzierung nur eine begrenzte Aussagekraft hätten. Es bleibe unklar, ob es sich bei den gemeldeten Fällen um tatsächliche Rechtsverstöße, technische Vorkommnisse oder Mehrfachmeldungen handle. Zudem fehle weiterhin eine Aufschlüsselung danach, ob sich die Beschwerden überwiegend gegen inländische oder ausländische Anbieter richteten.

Aus Sicht des DDV entstehe dadurch eine verzerrte öffentliche Wahrnehmung, die den Eindruck eines strukturellen Problems der gesamten Branche vermittle. Der Verband fordert seit Jahren mehr Datentransparenz, um klar zwischen illegalem Telefonspamming und seriösem Dialogmarketing unterscheiden zu können. Nur auf dieser Grundlage sei eine sachliche Debatte und eine zielgerichtete Regulierung möglich - im Interesse von Verbraucherinnen und Verbrauchern ebenso wie der regelkonform arbeitenden Unternehmen.

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