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Drei Fragen: Ist das Fax wirklich nicht datenschutzkonform?

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In letzter Zeit mehren sich Stimmen, die mit Blick auf die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) von der Übermittlung personenbezogener Daten per Fax abraten. Zuletzt hatte die Bremer Landesdatenschutzbeauftragte sich entsprechend geäußert. CallCenterProfi sprach mit Stephan Leschke, Vorstandsvorsitzender der Ferrari electronic AG, und hat selbst einmal gefragt: Ist das Fax jetzt DSGVO-konform oder nicht?

CallCenterProfi: Herr Leschke, die Stimmen werden lauter, die das Fax als nicht DSGVO-konformes Kommunikationsmittel an den Pranger stellen. Welche Gründe werden denn angeführt und wie entgegnen Sie diesen?

Leschke: In der Diskussion werden häufig zwei Argumente angeführt.

1.: Das Internet ist einfacher abzuhören als eine klassische Telefonleitung und
2.: Das Abhören von Daten wäre im Fall von Fax-over-IP einfacher als auf Basis von ISDN beziehungsweise analoger Telefonie.

Kritiker verweisen darauf, dass der Versender einer Faxmitteilung nicht weiß, wie genau der Empfänger Dokumente entgegennimmt. Es ist demnach nicht ersichtlich, ob eine Faxnummer auf einem Fax-to-Mail-Dienst terminiert und danach unverschlüsselt per E-Mail weitergeleitet wird. Das ist durchaus möglich, jedoch muss auch gesagt werden, dass auf so einen komplexen Sachverhalt nicht pauschal geantwortet werden kann. Dies vorangestellt sind beide Argumente auf den ersten Blick valide.

CallCenterProfi: Was heißt denn "valide auf den ersten Blick"?

Leschke: Zum ersten Argument ist anzumerken, dass die IP-Strecken für Telefonie nicht grundsätzlich mit dem Internet gleichzusetzen sind. Darüber hinaus sind SRTP-verschlüsselte IP-Strecken, wie sie zurzeit deutschlandweit verfügbar sind, deutlich schwieriger mitzuschneiden als klassische Telefonleitungen. Dies bedeutet, dass auch die Faxkommunikation und die darüber versendeten Dokumente in solchen Netzen schwerer abzugreifen sind, was den Transportweg deutlich sicherer macht.

Beim zweiten Punkt ist diskutabel, wer hier die DSGVO bricht – der ursprüngliche Sender des Faxdokuments oder derjenige, der seinen Empfangspfad über E-Mail leitet? Ist derjenige, der alles Mögliche veranlasst, ein Dokument sicher zu versenden, verantwortlich oder derjenige, der mit vertraulichen Daten sorglos umgeht? Und welches Verfahren garantiert eben diesen verantwortungsvollen Umgang mit personenbezogenen Daten auf der Empfängerseite? Es kann also festgehalten werden, dass nie eine Technologie datenschutzkonform ist, sondern entscheidend ist, wie diese Technologie in Prozesse implementiert und genutzt wird.

CallCenterProfi: Sind die Datenschutzbedenken nun richtig oder falsch? Oder anders formuliert: Wenn Sie gefragt werden, ob das Fax DSGVO-konform ist, was antworten Sie dann?

Leschke: Richtig ist, dass die Fax-Technologie, die Ende der 80er Jahre ihre Hoch-Zeit hatte, nicht auf Anforderungen im Jahr 2018 vorbereitet war. Jedoch entwickelt sich Technologie, ebenso wie der Datenschutz, ständig weiter. Kommen neue datenschutzrechtliche Anforderungen oder Aspekte hinzu, reagiert die Technologie darauf. Heutige Faxserver-Systeme können sowohl auf der analogen Leitung als auch auf der IP-Stecke verschlüsselt übertragen werden. Dabei kommt sowohl Transportverschlüsselung per SRTP  als auch Ende-zu-Ende-Verschlüsselung der Dokumente zum Einsatz. Hierbei sind durch den vollautomatischen Schlüsselaustausch Bedienfehler sogar ausgeschlossen. Also um Ihre Frage zu beantworten: Fax ist natürlich – richtig eingesetzt – datenschutzkonform!

Sie wollen mehr wissen?
„Ab der nächsten Legislaturperiode wird es im Bundestag keine Faxgeräte mehr geben. Das hat der Ältestenrat beschlossen.“ Diese Meldung sorgte zu Beginn dieses Jahres natürlich für eine enorme Wahrnehmung, aber auch Kalauer. „Logisch muss das der Ältestenrat beschließen, die Jüngeren wissen nicht mal mehr, was ein Fax ist“ – so eine der vielen Reaktionen in den sozialen Netzwerken. Es stimmt: Die Technologie hat schon knapp 200 Jahre auf dem Buckel, aber von Vorgestern ist sie deshalb noch lange nicht.

Mehr dazu lesen Sie hier im Gastbeitrag "Digitalisierung: Fax - die unerschätze Technologie" von Stephan Leschke, Vorstandsvorsitzender der Ferrari electronic AG.

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