Umfrage zu Recruiting im Kundenservice: Die größte Baustelle liegt im Prozess

Die Mitarbeitergewinnung bleibt eine der größten Herausforderungen für Call und Contact Center. Gleichzeitig verändern sich die Rahmenbedingungen des Recruitings rasant. Um aktuelle Entwicklungen, Erfolgsfaktoren und Problemfelder besser zu verstehen, hat CallCenterProfi 49 Unternehmen aus der Branche zu zentralen Recruiting-Kennzahlen befragt. Die Ergebnisse zeigen: Der Fachkräftemangel ist zwar weiterhin spürbar, doch die eigentlichen Schwachstellen liegen häufig innerhalb der Recruiting-Prozesse selbst.

Besonders auffällig ist die Dauer vieler Einstellungsverfahren. Rund zwei Drittel der befragten Unternehmen benötigen länger als fünf Tage vom Bewerbungseingang bis zur Einstellungsentscheidung. Fast vier von zehn Unternehmen brauchen sogar mehr als acht Tage. In einem Arbeitsmarkt, in dem Kandidaten häufig mehrere Optionen parallel prüfen und schnelle Rückmeldungen erwarten, kann dies bereits zum Wettbewerbsnachteil werden.
Hinzu kommt, dass viele Unternehmen während des Bewerbungsprozesses einen erheblichen Teil potenzieller Mitarbeitender verlieren. Mehr als jedes dritte Unternehmen gibt an, über zwanzig Prozent der Bewerber vor Abschluss des Verfahrens zu verlieren. Gleichzeitig führen bei der Mehrheit der Befragten lediglich zwischen 51 und 70 Prozent der Vorstellungsgespräche tatsächlich zu einer Einstellung. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass viele Recruiting-Prozesse noch immer unnötige Reibungsverluste verursachen.
Überraschend positiv fällt dagegen die so genannte Show-up-Rate aus. Mehr als 80 Prozent der Unternehmen erreichen Werte von mindestens 86 Prozent. Die meisten Kandidaten, die einen Vertrag unterschreiben, treten ihren ersten Arbeitstag auch tatsächlich an. Die größten Verluste entstehen also nicht nach der Einstellung, sondern deutlich früher im Recruiting-Funnel.
Cost per Hire: Was eine Einstellung wirklich kostet
Die Kennzahl „Cost per Hire“ gehört zu den wichtigsten Messgrößen im Recruiting. Sie beschreibt die durchschnittlichen Gesamtkosten, die entstehen, um eine vakante Stelle erfolgreich zu besetzen. Dazu zählen beispielsweise Ausgaben für Stellenanzeigen, Recruiting-Plattformen, Social Media-Kampagnen, Personalvermittler sowie interne Aufwände für HR, Fachabteilungen und Vorstellungsgespräche.
Die CallCenterProfi-Umfrage zeigt, dass sich die Mehrheit der befragten Unternehmen bei den Kosten pro Einstellung zwischen 501 und 1.400 Euro bewegt. Weitere 27 Prozent liegen sogar darüber. Gleichzeitig erreichen nur zwölf Prozent der Unternehmen einen Wert von weniger als 500 Euro pro erfolgreicher Einstellung.
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Recruiting längst zu einem relevanten Kostenfaktor geworden ist. Allerdings greift eine isolierte Betrachtung der Kosten zu kurz. Entscheidend ist nicht allein, wie viel eine Einstellung kostet, sondern wie schnell und zuverlässig offene Stellen besetzt werden können. Unbesetzte Positionen verursachen schließlich ebenfalls Kosten – etwa durch Überstunden, Produktivitätsverluste, schlechtere Service-Level oder verzögerte Projektstarts. Ein höherer Cost per Hire kann deshalb wirtschaftlich sinnvoll sein, wenn dadurch schneller qualifizierte Mitarbeitende gewonnen werden. Entscheidend ist letztlich das Verhältnis zwischen Recruiting-Investition, Besetzungsgeschwindigkeit und langfristigem Unternehmenserfolg.
Sichtbarkeit wird zum Erfolgsfaktor
Interessant sind auch die Ergebnisse bei den Recruiting-Kanälen. Die eigene Karriere-Webseite bleibt die wichtigste Quelle erfolgreicher Einstellungen. Dahinter folgen indeed sowie soziale Netzwerke wie Facebook und Instagram. LinkedIn spielt ebenfalls eine Rolle, liegt jedoch hinter den reichweitenstarken Plattformen zurück. Die Ergebnisse bestätigen damit einen Trend, der sich seit Jahren abzeichnet: Recruiting entwickelt sich zunehmend von der klassischen Stellenanzeige hin zu einer Marketing- und Sichtbarkeitsaufgabe.
Auch wirtschaftlich bleibt Mitarbeitergewinnung ein relevantes Thema. Die Mehrheit der Unternehmen bewegt sich bei den Kosten pro erfolgreicher Einstellung zwischen 501 und 1.400 Euro. Gleichzeitig liegen die Kosten pro Bewerbung bei fast drei Viertel der Befragten unter 80 Euro. Reichweite scheint also häufig vorhanden zu sein. Die größere Herausforderung besteht darin, Interessenten möglichst schnell und effizient in neue Mitarbeitende zu verwandeln.
Die Umfrage macht zudem deutlich, dass Recruiting in der Call Center-Branche längst kein isoliertes Projekt mehr ist, sondern eher eine Daueraufgabe. 95 Prozent der Unternehmen haben aktuell offene Stellen zu besetzen. Mehr als jedes dritte Unternehmen sucht gleichzeitig nach elf oder mehr neuen Mitarbeitenden. Wer in diesem Umfeld erfolgreich sein will, braucht nicht nur Sichtbarkeit, sondern vor allem schnelle Prozesse, geringe Hürden und eine konsequente Ausrichtung auf die Erwartungen moderner Bewerber.

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