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Riesiger Telefonbetrug: Europol schaltet zwölf Call Center aus

 – Alexander Jünger

Wie Europol in einer aktuellen Pressemitteilung vermeldet, ist im Zuge der "Operation Pandora" ein effektiver Schlag gegen organisierten Telefonbetrug gelungen. In einer länderübergreifenden Aktion konnten 39 Verdächtige ermittelt werden. Nach Razzien in zwölf Call Centern konnten 21 Personen festgenommen, sowie Beweismittel und Vermögenswerte sichergestellt werden. Kurios: Zum Enttarnen der kriminellen Call Center setzen die Ermittler selbst auf Call Center-Strukturen.

Auslöser der "Operation Pandora" war ein Vorfall in Freiburg Ende vergangenen Jahres. Als ein Bankkunde über 100.000 Euro in bar abheben wollte, wurde ein Bankangestellter misstrauisch und informierte die Polizei. Die fand heraus, dass es sich hier um den so genannten "Falsche-Polizisten-Trick" handelte und wurde aktiv. Statt Bargeld warteten Beamten des Polizeipräsidiums Freiburg auf den Abholer, nahmen ihn fest und begannen, den Telefonanschluss des Opfers zu überwachen. Allein bei der Untersuchung dieses Einzelfalls stellten die Ermittler fest, dass die von den Tätern verwendeten Telefonnummern mit über 28.000 betrügerischen Anrufen in nur 48 Stunden in Verbindung gebracht werden konnten.

Mit der Ausweitung der Ermittlungen wurden diese an das Landeskriminalamt Baden-Württemberg übergeben, das während der gesamten Operation vom Bundeskriminalamt unterstützt wurde. Erste Erkenntnisse zeigten schnell, dass die Täter, die in verschiedenen Ländern ansässig waren, alle Arten von Telefonbetrug betrieben.

Im Zuge weiterer Ermittlungen kamen die Strafverfolgungsexperten Call Centern in Albanien, Bosnien-Herzegowina, im Kosovo und im Libanon auf die Spur. Das kriminelle Netz, das für die betrügerischen Anrufe verantwortlich war, konzentrierte sich laut der Ermittlungsergebnisse in jedem Land auf eine andere Priorität. Während der Inkassobetrug überwiegend von Bosnien-Herzegowina aus betrieben wurde, kamen die Anrufe für den Online-Banking-Betrug aus dem Kosovo. Anlagebetrüger riefen meist von Albanien aus an, und die auf Prepaid-Kartenbetrug spezialisierten Kriminellen agierten aus dem Libanon.

Mit den eigenen Waffen geschlagen
Ab Dezember 2023 waren im Landeskriminalamt Baden-Württemberg über hundert Beamte rund um die Uhr im Einsatz und sicherten in der Folge den Inhalt von über 1,3 Millionen Gesprächen. Die eingesetzten Beamten überwachten gleichzeitig bis zu 30 Gespräche unterschiedlicher Länge. Dafür hatte das LKA ein eigenes Call Center eingerichtet, in dem die Ermittler im Schichtbetrieb arbeiteten.

In nur vier Monaten überstiegen mehr als 7.500 Anrufe die Schwelle, die es den Behörden erlaubt, ein Strafverfahren einzuleiten. Insgesamt gelang es den eingesetzten Beamten in über achtzig Prozent der angezeigten Straftaten, finanzielle Verluste für die Opfer zu verhindern. Insgesamt hätte sich der mögliche Schaden auf über zehn Millionen Euro belaufen.

Europol unterstützt und koordinierte Zugriff
Als es an der Zeit war, die Operationen der Kriminellen in mehreren Ländern zu beenden, war Europol Gastgeber des operativen Koordinierungszentrums in seiner Zentrale. Europol leistete dabei nicht nur operative Unterstützung am Aktionstag, sondern entsandte auch Beamte mit mobilen Büros ins Ausland, um die Sammlung und Analyse kriminaltechnischer Beweise zu erleichtern.

In den frühen Morgenstunden des 18. April 2024 war es dann soweit: Über 60 deutsche Strafverfolgungsbeamte, unterstützt von Hunderten ihrer Kollegen in Albanien, Bosnien und Herzegowina, im Kosovo* und im Libanon sowie von Europol-Spezialisten, durchsuchten Dutzende von Wohn- und Geschäftsräumen. Neben der Verhaftung von 21 Personen konnten die Beamten umfangreiches Beweismaterial wie Datenträger, Dokumente, Bargeld und Vermögenswerte in Höhe von einer Million Euro sicherstellen. Außerdem wurde eine Vielzahl elektronischer Beweismittel sichergestellt, die es den Ermittlungsbehörden ermöglichen sollen, Informationen über mögliche weitere Callcenter und weitere Betrüger zu erhalten.

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Die komplette Presseinformtion von Europol ist hier - in englischer Sprache - verfügbar ...

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