CallCenter Profi

Interview: "Wenn man mit Familie arbeitet, stellt sich die Vertrauensfrage nie"

 – Alexander Jünger

Über Generationenwechsel im Contact Center-Markt, die gemeinsame Führung eines Familienunternehmens und die Rolle von Vertrauen und klaren Strukturen sprachen wir mit Alfons Bromkamp, Gründer und CEO der Triple S Manufaktur, seinem Sohn Boris Bromkamp, Geschäftsführer, sowie May Arriola Bromkamp, Head of Recruiting & Marketing.

CallCenterProfi: Herr Bromkamp, Sie haben das Unternehmen 2012 gegründet. Wann wurde Ihnen klar, dass sich daraus ein echtes Familienunternehmen entwickeln könnte?

Alfons Bromkamp: Wir sind direkt mit meinem Bruder als Leiter Operations und meiner Frau als Leiterin Finanzen und Personal gestartet. Damit hatten wir von Anfang an einen familiären Touch. Allerdings sind wir nicht mit dem Ziel gestartet, eine „Family Company“ aufzubauen. Einen konkreten Zeitpunkt kann ich gar nicht benennen. Es war eher der Moment, in dem klar wurde, dass Boris sich sehr gut eingefunden hat, zunehmend Verantwortung übernimmt und das Ganze auch für sich als echte Zukunftsperspektive sieht.

CallCenterProfi: Seit 2019 führen Sie das Unternehmen gemeinsam mit Ihrem Sohn. Wie hat sich dieser Übergang konkret gestaltet?

Alfons Bromkamp: Offen gestanden - Schritt für Schritt. Boris hat sich nach seinem Studium zunächst bewusst für eine andere Tätigkeit entschieden und das war für uns alle völlig in Ordnung, ja sogar ausdrücklich gewünscht. Zu den Gründungsmitgliedern gehören meine Frau Beatrix mein Bruder Norbert und ich. An einem grauen Novembertag im Jahr 2013 saßen wir gemeinsam vor dem Kamin und haben uns – wie so oft – über unsere Ziele und Herausforderungen ausgetauscht. Boris stand damals vor der Entscheidung: Karriere in seinem studierten Bereich oder ein unternehmerischer Einstieg bei uns. Die Triple S (ehemals Call & Sales und damals gerade einmal mit acht Mitarbeitenden) war zu diesem Zeitpunkt eine spannende Option. Relativ schnell wurde klar, dass es sehr gut passen könnte, seine Erfahrungen ins Unternehmen einzubringen. Boris hat zunächst interimistisch Aufgaben übernommen und wir haben gemerkt, wie gut wir zusammen funktionieren. Was definitiv nicht heißt, dass immer alles "happy clappy" gewesen ist. Dann wurde klar, dass er sich „hauptamtlich“ engagieren will. Logisch, dass sich daraus eine Perspektive für eine Geschäftsführungaufgabe und irgendwann auch eine Gesellschafterstellung anschließen sollte. Dafür gab es keinen Zeitplan und keine „Zielerreichungssteps“. Wir haben diese Phase irgendwie als „Verlobungsphase“ gesehen.

Boris hat dann den Vertrieb für einen Auftraggeber übernommen, unseren Insidesales gesteuert und selber den Außendienst gemacht. Später hat er einen wichtigen Auftraggeber übernommen und der „Stelle als Performancemanager“ ein Gesicht gegeben. Dann hat er eine Trainerausbildung gemacht und die Trainingsabteilung aufgebaut. Dann hat er sich immer weiter in die Operations eingearbeitet und gemeinsam mit einem externen Berater die Company neu aufgestellt. Boris hat immer mehr übernommen und ich zunehmend mehr losgelassen. In unserer Nähe liegt die Universität Witten/Herdecke, an der das Thema Familienunternehmen intensiv erforscht wird. Bei einer Veranstaltung dort haben wir festgestellt, dass unser Weg in vielen Punkten sehr nah an den dort vermittelten Ansätzen zum Unternehmensübergang ist. Wenn man es bildlich ausdrücken will, ist Boris eher der „Innenminister“ und ich eher der „Außenminister“. Das ist aber kein starres Modell, sondern bewusst durchlässig.

Bis vor zwei Wochen war ich leider fast drei Wochen im Krankenhaus, da ich an der Hüfte operiert wurde. Ich bin mit einem absolut sicheren Gefühl dorthin gegangen, dass das Business komplett rund ohne mich weiterläuft. Und genau so war es. Steige ich jetzt deswegen komplett aus? Sicher nicht. Wir schätzen die Zusammenarbeit sehr, und gerade in anspruchsvollen Zeiten – geprägt von politischen Entwicklungen, wirtschaftlicher Unsicherheit sowie Chancen und Risiken durch KI – gibt es weiterhin viel zu tun. Das gelingt uns im familiären Doppelpack ausgesprochen gut.

CallCenterProfi: Herr Boris Bromkamp, war für Sie früh klar, dass Sie in das Unternehmen einsteigen und Verantwortung übernehmen möchten oder hat sich das erst im Laufe der Zeit entwickelt?

Boris Bromkamp: Ich bin 1988 geboren und bin praktisch mit der Branche groß geworden. Meine Eltern haben in den 90er-Jahren eines der ersten Call Center in Deutschland mit aufgebaut, ich habe diese Entwicklung also von klein auf miterlebt – inklusive der Gründung der TAS. Dadurch habe ich früh gesehen, was diese Branche leisten kann und wie viel Perspektive sie Menschen geben kann. Trotzdem war für mich lange nicht klar, dass ich ins Unternehmen einsteige. Nach meiner Ausbildung im Reisebüro habe ich Tourismus- und Eventmanagement in den Niederlanden studiert und war auch wegen Praktika im Ausland, unter anderem in Südafrika und den USA. Parallel habe ich immer wieder im Call Center gearbeitet – vom Service über Inbound bis hin zu B-to-B-Vertrieb – und dabei gemerkt, wie spannend und vielseitig die Branche ist. Nach dem Studium 2013 standen mir mehrere Wege offen, unter anderem ein Einstieg in die Tourismusbranche oder ein längerer Aufenthalt in Kapstadt. Der Einstieg in Triple S war zu diesem Zeitpunkt noch nicht geplant – das Unternehmen war damals mit rund acht Mitarbeitenden noch sehr klein.

Der konkrete Einstieg entstand eher zufällig: Für ein Sales-Projekt wurde kurzfristig Unterstützung im B-to-B-Vertrieb gesucht, genau mein Bereich. Wir haben dann vereinbart, das Ganze für sechs Monate auszuprobieren – mit dem klaren Gedanken, dass es auch wieder enden kann. Aus diesen sechs Monaten wurde eine intensive Phase im Außendienst, im Vertrieb und im operativen Aufbau. Nach etwa einem halben Jahr haben wir gemeinsam reflektiert, wie gut das eigentlich zusammenpasst – fachlich, aber auch menschlich. Im Family-Business ist genau dieser Punkt entscheidend: Es geht nicht nur um Rollen oder Nachfolgepläne, sondern auch darum, ob es wirklich passt und ob man gemeinsam Verantwortung tragen kann. Nach einigen Monaten haben wir dann gemeinsam festgestellt, dass sich meine Entwicklung und die des Unternehmens sehr gut ergänzen. Für mich war das kein klassischer Einstieg nach Plan, sondern ein organisch gewachsener Prozess zwischen Ausprobieren, Vertrauen und gemeinsamer unternehmerischer Entwicklung – typisch Family Business eben.

CallCenterProfi: Wie erleben Sie beide die Zusammenarbeit zwischen zwei Generationen in der Geschäftsführung im Alltag?

Alfons Bromkamp: Inspirierend, motivierend und zukunftsweisend; Wir reden und entscheiden viel zusammen. Natürlich ist nicht immer alles „happy clappy“, die Car Policy bietet viel Platz für unterschiedliche Meinungen.

Boris Bromkamp: Ich muss ehrlich sagen: Ich könnte mir nichts Besseres vorstellen. Die Zusammenarbeit macht im Alltag wirklich Spaß und genau das ist ein großer Vorteil. Wenn man mit Familie arbeitet, stellt sich die Vertrauensfrage nie. Dieses Grundvertrauen ist einfach da. Das heißt natürlich nicht, dass immer alles glatt läuft oder wir immer einer Meinung sind – im Gegenteil. Wir haben unterschiedliche Perspektiven, auch allein schon durch die unterschiedlichen Generationen. Aber entscheidend ist: Die Richtung und die Werte sind identisch. Und genau deshalb sind Diskussionen bei uns nichts Negatives, sondern eher etwas Produktives. Sie helfen uns, besser zu werden und Dinge weiterzuentwickeln. Ein wichtiger Bestandteil ist auch, dass wir uns bewusst Zeit nehmen. Mindestens einmal im Quartal ziehen wir uns als Vater und Sohn für ein bis eineinhalb Tage aus dem Tagesgeschäft zurück, um Dinge zu reflektieren: Wo stehen wir gerade? Wo wollen wir hin? Was sind die nächsten Schritte? Dieses bewusste „Neukalibrieren“ ist für uns extrem wichtig. Und vielleicht ist genau diese Kombination entscheidend: die klare Rollenverteilung im Alltag, das persönliche Vertrauen und gleichzeitig der regelmäßige Abstand, um strategisch neu auszurichten. Diese Vater-Sohn-Rolle ist für uns kein Nebeneffekt, sondern ein zentraler Erfolgsfaktor – und etwas, das wir bewusst pflegen.

CallCenterProfi: Frau Arriola Bromkamp, Sie verantworten Recruiting und Marketing. Welche Rolle spielt aus Ihrer Sicht die Unternehmenskultur in einem familiengeführten Contact Center?

May Arriola Bromkamp: Unternehmenskultur wird in unserer Branche oft unterschätzt, dabei entscheidet sie in einem familiengeführten Contact Center am Ende über Erfolg oder Austauschbarkeit. Gerade im Zusammenspiel von Recruiting, Marketing und operativem Geschäft ist sie kein „Nice-to-have“, sondern ein echter Kernfaktor. In der Call Center-Branche ist es gleichzeitig eine besondere Herausforderung, Kultur sichtbar und glaubwürdig zu machen. Viele Menschen haben ein festes Bild im Kopf, das nicht immer der Realität entspricht. Umso wichtiger ist es, dass Kultur nicht nur kommuniziert, sondern im Alltag wirklich spürbar und erlebbar ist. Gerade im Recruiting sehen wir sehr deutlich: Menschen entscheiden sich heute weniger über einzelne Benefits, sondern über Vertrauen, Verlässlichkeit und darüber, wie im Unternehmen miteinander gearbeitet wird. Und genau hier haben familiengeführte Unternehmen oft einen Vorteil, weil Entscheidungen näher an den Menschen getroffen werden und Verantwortung persönlicher gelebt wird. Dieser Vorteil wirkt aber nur, wenn er konsequent im Alltag ankommt – in der Führung, in der Kommunikation und im Umgang miteinander.

Wir verstehen uns dabei ganz bewusst als Chancengeber: Wir schaffen ein Umfeld, in dem Menschen sich entwickeln können, Verantwortung übernehmen und langfristige Perspektiven haben. Dass das funktioniert, zeigt sich auch ganz konkret daran, dass viele Mitarbeitende seit Jahren bei uns sind und wir diese Entwicklung bewusst feiern.
Für das Marketing ist das entscheidend: Authentische Kultur ersetzt zunehmend klassische Arbeitgeberwerbung. Und am Ende ist es auch ganz praktisch – eine gelebte Kultur reduziert Fluktuation und macht Recruiting deutlich stabiler und nachhaltiger.

CallCenterProfi: In vielen Familienunternehmen ist die Rollenverteilung ein entscheidender Erfolgsfaktor. Wie haben Sie Ihre jeweiligen Verantwortungsbereiche definiert?

Boris Bromkamp: Ein sehr wichtiger Impuls kam damals von einem guten Vertrauten und Freund, Rüdiger, der uns in dieser Phase beraten hat. Dafür bin ich ihm bis heute sehr dankbar. Er hat uns damals sinngemäß gesagt: „Boris, übernimm von Anfang an klare Verantwortung. Und wenn du einen Bereich verantwortest, dann steh auch dazu; gerade dann, wenn es mal nicht gut läuft.“ Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch keine große Führungsverantwortung, sondern im Grunde meinen eigenen Bereich mit rund drei Mitarbeitenden, also etwa 20 Prozent des damaligen Geschäftsvolumens. Genau in dieser Phase hat uns Rüdiger geraten, von Anfang an klare Strukturen und Verantwortlichkeiten zu schaffen, weil das im Familienunternehmen entscheidend ist. Diese klare Rollenverteilung hat sich über die Jahre natürlich weiterentwickelt. Mit dem Wachstum von Triple S haben wir uns entschieden, die Geschäftsführung breiter aufzustellen – heute auf vier Schultern. Inhaltlich haben wir uns zwar schon immer um die wichtigen Themen gemeinsam gekümmert, aber jeder hat trotzdem einen klar definierten Schwerpunkt.

Mein Fokus liegt deutlich stärker auf dem operativen Geschäft. Ich steuere gemeinsam mit dem Management-Team die Programme und das Tagesgeschäft vor Ort. Alfons ist eher unser „Außenminister": er kümmert sich um politische Themen, Repräsentation und ist sehr stark nach außen unterwegs. Gleichzeitig ist er jemand, der inhaltlich extrem viel Erfahrung in unserer Branche mitbringt und dort eine große Stärke hat. Die Bereiche greifen dabei natürlich immer ineinander, und wir können uns grundsätzlich auch gegenseitig vertreten. Trotzdem war es uns wichtig, klare Zuständigkeiten zu behalten, weil Klarheit Geschwindigkeit schafft. Und man muss ehrlich sagen: Bei uns Bromkamps spielt auch ein bisschen Charakter eine Rolle: wir haben beide durchaus einen kleinen Dickkopf. Umso wichtiger ist es, dass Verantwortung klar geregelt ist und jeder seinen Bereich wirklich lebt.

CallCenterProfi: Welche Themen oder Perspektiven bringt die jüngere Generation (insbesondere mit Blick auf Recruiting, Führung und Kundenkommunikation) in das Unternehmen ein?

Alfons Bromkamp: Auf jeden Fall gehören Marketing, Recruiting und neue Technologien der jungen Genration. Wenn ich mir anschaue, was meine Schwiegertochter dort leistet, ist absolut kraftvoll und richtungsweisend. Mit ihrem Team bekommet sie KPI´s im Recruiting hin, die bis jetzt noch keine „Spezialagentur“ schlagen konnte. Darum ist Rekrutierung für uns eine Herausforderung aber kein Problem. Die Finanzen für die Unternehmensgruppe leitet seit Jahren komplett meine Frau Beatrix, also auch eine Best-Agerin. Unsere Auftraggeber dürfen gerne wählen, von wem sie auf C-Level betreut werden.

Boris Bromkamp: Aus meiner Sicht hat sich in den letzten 40 Jahren natürlich viel verändert, aber viele Grundprinzipien sind gleichgeblieben. Kunden wollen nach wie vor ernst genommen werden. Sie wollen, dass ihre Bedürfnisse verstanden werden und dass ein Unternehmen verlässlich darauf reagiert. Und genauso gilt: Mitarbeitende wollen in einem Umfeld arbeiten, in dem sie gesehen werden und sich entwickeln können. Das Ziel ist im Kern unverändert geblieben: nachhaltige Zufriedenheit bei Auftraggebern und Kunden sowie ein stabiles, motiviertes Team als wichtigste Basis eines Unternehmens. Das war vor Jahrzehnten so und gilt auch heute noch, trotz aller technologischen und gesellschaftlichen Veränderungen. Was die jüngere Generation einbringt, ist vor allem eine andere Perspektive auf Geschwindigkeit, Transparenz und Kommunikation. Durch mein Studium und meine Erfahrungen in sehr unterschiedlichen Umfeldern – von großen Konzernen wie Disney bis hin zu kleinen, sehr operativen Unternehmen – konnte ich diese Perspektiven zusätzlich einbringen und mit dem klassischen Verständnis von Unternehmertum verbinden.

Das hilft besonders dabei, traditionelle Stärken mit modernen Erwartungen zu verbinden – also einerseits ein nachhaltiges, stabiles Unternehmen weiterzubauen und gleichzeitig die Anforderungen der heutigen Zeit, insbesondere im Recruiting, in der Führung und in der Kundenkommunikation, konsequent mitzudenken. Ich glaube, genau diese Kombination aus Erfahrung, unternehmerischem Fundament und neuen Perspektiven sorgt dafür, dass wir Entscheidungen heute breiter und oft auch besser treffen können.

CallCenterProfi: Familienunternehmen bieten oft kurze Entscheidungswege, bergen aber auch Konfliktpotenzial. Wie gehen Sie mit unterschiedlichen Meinungen innerhalb der Familie um?

Boris Bromkamp: Da muss ich an der Stelle wirklich ein großes Lob an meine Eltern aussprechen. Sie haben meinen Bruder und mich immer dazu erzogen, selbstständig zu denken und eine eigene Meinung zu haben und diese auch offen ansprechen zu können. Wir hatten in unserer Familie schon immer eine gute Streitkultur im positiven Sinne. Konflikte waren bei uns nie etwas, das unter den Teppich gekehrt wurde. Im Gegenteil: Dinge wurden angesprochen, manchmal auch sehr direkt, und dann sauber geklärt – mit dem Ziel, danach wieder ein gutes Miteinander zu haben. Ich glaube, genau dieses Werteverständnis hat uns auch im Unternehmen extrem geholfen. Konflikte sind für uns kein Problem, sondern Teil eines guten Entscheidungsprozesses. Es geht nie darum, Recht zu behalten oder den lautesten Standpunkt durchzusetzen, sondern am Ende die beste Lösung für das Unternehmen zu finden. Deshalb können wir auch heute sehr offen miteinander diskutieren – manchmal durchaus direkt, manchmal mit klaren Worten, aber immer mit Respekt. Es kommt auch schon mal vor, dass ein Gespräch sehr ehrlich startet nach dem Motto: „Du weißt, ich hab dich lieb, aber…“ – und dann wird eine Sache klar angesprochen. Wichtig ist dabei: Am Ende zählt nicht, wer sich durchsetzt, sondern welche Entscheidung die beste ist. Und genau diese Haltung hat uns sowohl als Familie als auch im Unternehmen sehr weit gebracht.

Alfons Bromkamp: Reden und diskutieren ist dort das Mittel der ersten Wahl. Es mag sich romantisch anhören, aber es ist wirklich so, dass wir in grundlegenden Themen keine wesentliche Anschauung haben.

CallCenterProfi: Viele Contact Center-Dienstleister stehen aktuell vor einem Generationenwechsel. Was würden Sie anderen Unternehmern raten, die vor einer ähnlichen Übergabe stehen?

Alfons Bromkamp: Erstens: Drum prüfe wer sich ewig bindet. Chancen und Risiken liegen eng beieinander. Darum würde ich wirklich sukzessive Vorgehen. Boris hat schrittweise Verantwortung übernommen und das hat gut funktioniert. Er ist nach vier bis fünf Jahren absolut gleichberechtigter Geschäftsführer geworden und das hat gut funktioniert. Danach haben wir uns noch über Ziele und Visionen ausgetauscht. Als wir dann noch immer deckungsgleich waren, haben wir absolut auf Augenhöhe unsere Holding gebaut und dort die Triple S-Gruppe eingebracht. Dieser Weg war bei uns erfolgreich und kann ein gutes Modell sein.

Zweitens: Es sollte wirklich gar nichts aus „familiärem“ Pflichtgefühl gemacht werden. Das ist keine gute Basis und führt immer zu Entscheidungsreue. Ich habe das mit Boris gemacht, weil er der absolute Beste dafür war und nicht, weil ich es irgendwann mal versprochen hatte. Boris ist diesen Weg gegangen, weil er in unserem Familienbusinesskontext seine Perspektiven am besten aufbauen konnte.

CallCenterProfi: Eine Frage an Sie alle: Wie soll sich die Triple S Manufaktur in den kommenden zehn Jahren entwickeln und welche Rolle spielt dabei die nächste Generation?

Alfons Bromkamp: Die nächste Generation muss die Zukunft rocken und den Platz werde ich machen. Ich sehe jetzt schon, dass es ohne mich geht. Ich sehe aber auch, dass ich wertvolle Inputs geben kann. Die Rolle als „Außenminister“ ist mir auf den Leib geschrieben, das mache ich gerne und da bin ich auch gut. 40 Jahre Call Center-Business schaffen halt ein nachhaltiges Netzwerk innerhalb und außerhalb der Branche. Boris und mir macht das Business gemeinsam mit unseren Ladys noch richtig Spaß und das wollen wir so auch noch ein paar Jährchen so weitermachen.

Boris Bromkamp: Ich glaube, wir können mit einigem Selbstbewusstsein sagen, dass wir in den letzten Jahren ein sehr solides Fundament für die Triple S Manufaktur aufgebaut haben. Wir haben viele Auftraggeber und Partner, die uns langfristig begleiten, und ebenso viele Mitarbeitende, die schon sehr lange Teil dieser Reise sind. Der Grundstein liegt für uns darin, in dem, was wir tun, verlässlich und konsequent zu sein. Ich glaube, dass wir damit ein Erfolgsmodell für unsere Branche geschaffen haben, das auch in Zukunft Bestand haben kann. Gleichzeitig wird es in Zeiten von Digitalisierung, künstlicher Intelligenz und starkem Wandel immer wichtiger, den eigenen Kern noch klarer zu definieren: Wofür stehen wir eigentlich wirklich und wo schaffen wir in den nächsten Jahren den größten Mehrwert für Auftraggeber, Mitarbeitende und das Unternehmen?

Ich glaube, darauf haben wir gute Antworten. Aber wie wir alle wissen: Die Zukunft gibt am Ende immer den Ausschlag. Was die Zusammenarbeit angeht, ist für mich besonders wertvoll, dass wir das Unternehmen schon seit vielen Jahren als gemeinsames Familiengespann führen – meine Frau ist seit sieben Jahren aktiv im Unternehmen, ich selbst bin praktisch von Anfang an in der Entwicklung dabei und habe nahezu jeden Bereich einmal durchlaufen. Umso schöner ist es, dass auch die ältere Generation weiterhin stark eingebunden ist und mit viel Energie dabei bleibt. Wir als „jüngere Generation“ freuen uns sehr darüber und zwar unabhängig davon, ob das in Zukunft fünf Tage die Woche oder vielleicht auch etwas reduzierter ist. Am Ende verstehen wir uns als Familie, die gemeinsam Verantwortung trägt. Und wir wissen gleichzeitig, dass wir uns in den unterschiedlichen Rollen schon heute gut vertreten und ergänzen können.

May Arriola Bromkamp: Wenn ich auf die nächsten zehn Jahre schaue, dann ist mein Wunsch relativ klar: Die Triple S Manufaktur soll nicht einfach nur wachsen, sondern sich bewusst weiterentwickeln – auf einem stabilen Fundament, das wir in den letzten Jahren gemeinsam aufgebaut haben. Wir haben starke Auftraggeber, langjährige Partnerschaften und ein Team, das diesen Weg mit uns geht. Das ist für mich die Basis. Gleichzeitig verändert sich gerade extrem viel: Digitalisierung, KI, neue Erwartungen im Recruiting. Deshalb wird es in Zukunft noch wichtiger, unseren Kern ganz klar zu definieren: Wofür stehen wir wirklich, und wo schaffen wir den größten Unterschied für unsere Auftraggeber und Mitarbeitenden? Die nächste Generation spielt dabei für mich eine sehr aktive Rolle. Nicht als reine Nachfolge, sondern als echte Weiterentwicklung. Es geht darum, Dinge neu zu denken, auch mal mutiger zu hinterfragen und gleichzeitig das zu bewahren, was uns stark gemacht hat. Ich selbst werde diesen Weg weiterhin aktiv mitgehen, mitgestalten, Verantwortung übernehmen und vor allem Menschen befähigen, ihren Beitrag zu leisten und sich weiterzuentwickeln. Genau diese Mischung aus Familie, unternehmerischer Verantwortung und gemeinsamer Entwicklung ist für mich das, was Triple S im Kern ausmacht.

CallCenterProfi: Was ist der größte Vorteil (und was die größte Herausforderung) daran, als Familie gemeinsam ein Unternehmen zu führen?

Alfons Bromkamp: Das Vertrauen innerhalb einer Familie ist ein unschätzbarer Vorteil. Wir fahren einmal im Jahr zusammen in Urlaub, da ist auch mein Sohn, der definitiv nicht ins Familienbusiness einsteigen will, mit seiner Lebensgefährtin dabei. Da muss man schon manchmal aufpassen, dass sich nicht alles ums Business dreht. Aber die Herausforderung halten wir gemeinsam aus. Darum planen wir gerade auch einen „Vater / Sohn-Tripp“ ins europäische Ausland. Klar, dass uns die Sicht von Armin auf unser Tun interessiert. Eine Wanderung durch die Karpaten muss aber definitiv nicht von einem Businessgespräch begleitet werden. Und für die Zeit bei einem „polnischen Pivo“ gibt es unendlich viele andere Themen.

May Arriola Bromkamp: Der größte Vorteil ist aus meiner Sicht die enge Verbundenheit und das gemeinsame Verständnis für Verantwortung. In einem Familienunternehmen denkt man langfristiger, entscheidet näher am Menschen und hat eine sehr hohe Identifikation mit dem, was man tut. Das schafft Vertrauen (intern wie extern) und sorgt oft für eine klare, stabile Ausrichtung. Die größte Herausforderung liegt gleichzeitig genau darin: Familie und Unternehmen sauber zu trennen. Es braucht klare Rollen, offene Kommunikation und die Fähigkeit, auch kritische Entscheidungen sachlich zu treffen, ohne dass persönliche Ebenen dominieren. Nur wenn das gelingt, kann die familiäre Stärke wirklich zur unternehmerischen Stärke werden. Ein Beispiel aus unserem Alltag: Mein Mann und ich haben für uns eine klare Regel etabliert. Nach Feierabend sprechen wir nicht automatisch über Arbeit. Wir fragen bewusst nach, ob es in Ordnung ist, berufliche Themen anzusprechen oder lassen es eben auch ganz sein. Das klingt banal, sorgt aber dafür, dass wir Berufliches nicht rund um die Uhr mit nach Hause nehmen.

Boris Bromkamp: Der größte Vorteil ist aus meiner Sicht das gegenseitige Vertrauen und das gemeinsame Ziel. Man weiß einfach, dass man im gleichen Team spielt und in die gleiche Richtung geht. Dieses Grundvertrauen ist nicht selbstverständlich, aber bei uns definitiv da – und dafür bin ich sehr dankbar. Die größte Herausforderung liegt darin, Familie und Unternehmen wirklich sauber voneinander zu trennen. Es ist eben nicht nur ein Familienunternehmen, sondern auch Familie und genau deshalb ist es wichtig, bewusst Zeit nur für die Familie zu schaffen. Das versuchen wir ganz aktiv zu leben: Wir nehmen uns regelmäßig Zeit außerhalb des Tagesgeschäfts und klären auch bewusst, ob ein Treffen jetzt ein Arbeitsthema ist oder einfach private Zeit bleibt. Und wenn man merkt, dass das Business zu viel Raum einnimmt, ziehen wir auch mal ganz bewusst die Reißleine und gehen kurz raus aus der Situation. Denn am Ende gilt für uns ganz klar: Das Unternehmen ist wichtig, aber die Familie ist das Allerwichtigste.

CallCenterProfi: Was würden Sie bewusst anders machen als die Gründer-Generation?

May Arriola Bromkamp: Ich habe großen Respekt vor der Gründer-Generation. Ohne deren Mut und Entscheidungen wären wir heute gar nicht da, wo wir stehen. Insofern würde ich nicht sagen, dass ich grundsätzlich vieles anders machen würde. Wenn ich aber einen Punkt hervorheben müsste, dann wäre es vielleicht, von Anfang an noch stärker auf klare Fokussierung zu setzen. Also bewusster zu entscheiden, welche Bereiche man wirklich vertieft und wo man sich nicht zu breit aufstellt. Gleichzeitig ist mir aber auch klar: Viele Dinge entstehen im Laufe der Zeit erst durch Erfahrungen und durch die Menschen. Und genau dieser Entwicklungsprozess hat uns ja auch dorthin gebracht, wo wir heute stehen. Insofern geht es für mich weniger um „anders machen“, sondern eher darum, Dinge heute noch bewusster und vielleicht etwas früher zu schärfen.

Boris Bromkamp: Über die Frage muss ich tatsächlich am längsten nachdenken, weil ich ehrlicherweise nichts grundlegend anders machen würde. Alles, was damals entschieden wurde, hat uns genau dahin gebracht, wo wir heute stehen – mit allen Erfahrungen, Entwicklungen und auch Lernkurven. Wenn ich heute noch einmal ganz neu gründen würde und schon alles wüsste, würde ich vermutlich von Anfang an etwas fokussierter starten und noch klarer einzelne Bereiche und Positionierungen definieren. Vielleicht sogar ein Stück kleiner und bewusst schärfer in der Ausrichtung. Gleichzeitig muss ich aber sagen: In der Realität entwickelt sich so etwas ja organisch. Wir sind damals als reines B-to-B-Sales- und Call Center gestartet und haben uns über die Jahre Schritt für Schritt zu einem deutlich breiter aufgestellten und heute sehr klar positionierten Serviceanbieter entwickelt, unter anderem auch mit unterschiedlichen Schwerpunkten an den Standorten.

Im Rückblick hätte ich möglicherweise früher an einer noch klareren Positionierung gearbeitet. Aber gleichzeitig ist genau diese Entwicklung auch ein natürlicher Prozess gewesen, der sich aus den Erfahrungen und dem Wachstum ergeben hat. Deshalb ist mein Fazit: Ich würde heute wahrscheinlich nicht alles anders machen – eher an einzelnen Punkten früher fokussieren. Aber insgesamt war der Weg genau der richtige für das, was wir heute sind.

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