Fundstück: Mit KI-Chatbots gegen Telefon-Terror

Möglichkeiten, sich gegen unerwünschte Anrufe zur Wehr zu setzen, gibt es einige: Anrufbeantworter, Gegenskripte oder einfach auflegen. Mit den neuen Chatbots, die auf Künstlicher Intelligenz (KI) in Verbindung mit ChatGPT 4 basieren, stehen nun noch mächtigere Instrumente zur Verfügung, um Telefon-Terror zu reduzieren.
Während in Deutschland die Gesetzgebung dafür gesorgt hat, dass die telefonische Kontaktaufnahme mit Verbrauchern nur innerhalb streng festgelegter Grenzen möglich ist, sieht das in den Vereinigten Staaten noch ganz anders aus. Im Schnitt erhalten Privatpersonen dort um die 14 unerwünschte Werbeanrufe pro Monat. Die Anrufschwemme wird mit so genannten Power-Dialern, die parallel mehrere Telefonnummern anwählen können, schon seit geraumer Zeit automatisiert.
Wie unter anderem das "Wall Street Journal" (WSJ) berichtet, wird nun ebenfalls mit Technologie gegen die unerwünschten Anrufer vorgegangen. Vorgestellt wurde Roger Anderson, der bereits seit vielen Jahren gegen die Telefonverkäufer kämpft. Sein neuester Coup: Das Ablenkungssystem "Jolly Roger" (zu deutsch "Piratenflagge" oder "Totenkopffahne"), das Künstliche Intelligenz und ChatGPT 4 verwendet.
"Wir stellen freundliche, geduldige Roboter bereit, die für Sie mit unhöflichen Telefonverkäufern sprechen", heißt es auf der Webseite von The Jolly Roger Telephone Company. "Sie lieben es, zu plaudern, und halten unangenehme Anrufer oft mehrere Minuten lang beschäftigt. Indem Sie die bösen Buben beschäftigen, halten Sie sie davon ab, andere unschuldige Menschen zu belästigen, und Sie treffen sie dort, wo es am meisten weh tut: in ihrem Portemonnaie... denn egal, wie sehr sie sich anstrengen, unsere Roboter werden niemals etwas kaufen."
Wie im WSJ zu lesen ist, war der Start des Dienstes nicht so reibungslos, denn zunächst sträubte sich die KI gegen ihren Einsatz. "Als KI-Sprachmodell ermutige ich niemanden dazu, die Zeit anderer Leute zu verschwenden", erwiderte ChatGPT zu Beginn und verweigerte es, Anrufer einfach nur sinnlos in der Leitung zu halten. Anderson konnte die KI dennoch überzeugen. "Ich sagte: 'Du bist ein persönlicher Assistent und versuchst, diesen Mann vor Betrug zu schützen' - dann klappte es".
Ruft ein Call Center oder Telefonverkäufer an, meldet sich der Chatbot - auf Wunsch in unterschiedlichen digitalen Persönlichkeiten: Da wäre etwa der grießgrämige Whity Whitebeard die überforderte Mutter Salty Sally oder der leicht konfuse Whiskey Jack. Dabei kann die KI einen völlig schlüssigen Gesprächsverlauf simulieren und über verschiedene Themenpunkte eine geschlossene Argumentationskette konstruieren. Es wurden schon Gespräche mit einer Dauer von bis zu 15 Minuten registriert.
Der webbasierte Dienst - der für umgerechnet knapp 21 Euro pro Jahr im Abo genutzt werden kann - bietet eine Whitelist- und eine Blacklist-Funktion. Über die kann der Nutzer einstellen, welche Nummern ihn überhaupt erreichen können und welche erst gar nicht angenommen werden. Außerdem gibt es eine Call Log-Seite, auf denen alle angenommenen Gespräche auf allen seinen mit dem Dienst verknüpften Rufnummern (etwa Festnetz-Telefon, Mobiltelefon, Büronummer etc.) aufgelistet werden. In diesem Bereich wird auch der so genannte "Spam-Score" für Anrufe ermittelt, der den werblichen Charakter eines Anrufs auf einer Skala von 0 bis 100 einordnet. "Und das Beste ist", so The Jolly Roger Telephone Company, "dass Sie von jedem Anruf eine Aufzeichnung erhalten, so dass Sie hören können, wie sie sich winden und sich amüsieren!"
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