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TotalEnergies verlagert Call Center-Leistungen von Belgien nach Marokko

 – Alexander Jünger

Im belgischen Lüttich droht ein massiver Stellenabbau im Call Center-Sektor. Das Service Center Ikanbi Belgium hat seinen Vertrag mit dem Energieunternehmen TotalEnergies verloren. Nach Angaben der sozialistischen Gewerkschaft FGTB sind davon bis zu 150 Beschäftigte betroffen. Der Auftrag endet mit dem Jahreswechsel und wird in veränderter Form weitergeführt, allerdings nicht mehr durch Ikanbi.

Wie der öffentlich-rechtliche Sender RTBF berichtet, sollen die Kundenanrufe in französischer Sprache künftig in Marokko bearbeitet werden. Die niederländischsprachigen Gespräche verbleiben zwar in Belgien, werden jedoch nicht länger bei Ikanbi eingehen. Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bedeutet dies eine ungewisse Zukunft, da ihre bisherigen Tätigkeiten unmittelbar mit dem Vertrag verbunden waren.

Die Beschäftigten von Ikanbi übernahmen für TotalEnergies vielfältige Aufgaben: Sie beantworteten Kundenanfragen zu Rechnungen, verhandelten Vertragsbedingungen oder koordinierten den Wechsel von Zählern. All diese Tätigkeiten sichern seit Jahren Arbeitsplätze in der Region. Mit dem bevorstehenden Auslaufen des Vertrags stehen diese Aufgaben nun auf dem Prüfstand.

Die Gewerkschaft FGTB kritisiert die Entscheidung scharf und verweist auf die Gefahr einer doppelten Verdrängung. Einerseits verlagere TotalEnergies die Arbeit ins Ausland, andererseits wachse die Bedrohung durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. In Zukunft könnten Chatbots oder automatisierte Systeme die Kommunikation übernehmen, was die Zahl menschlicher Servicekräfte zusätzlich reduziert.

Noch ist unklar, ob für die Beschäftigten von Ikanbi Anschlusslösungen gefunden werden können. Gespräche mit der Unternehmensleitung stehen an. Für den Call Center-Standort Lüttich ist die Entwicklung ein schwerer Schlag und zeigt erneut, wie stark die Branche unter dem Druck von Kostensenkung, Verlagerung und Automatisierung steht.

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