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Studie: Präsenzpflicht am Arbeitsplatz beeinflusst die Gesundheit

 – Alexander Jünger

Die Umsetzung einer Präsenzpflicht am Arbeitsplatz hat erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit der Mitarbeitenden, aber nur einen geringen Zusammenhang mit der selbsteingeschätzten Leistungsfähigkeit. Das ist eine Erkenntnis der neuesten Konstanzer Homeoffice-Studie.

In den vergangenen Monaten hat die öffentliche Debatte um eine Rückkehr zur Präsenzpflicht deutlich an Fahrt aufgenommen. Viele Unternehmen und deren Führungsverantwortliche scheinen sich ein Comeback des Arbeitsalltags aus Vor-Coronazeiten zu wünschen. Die neusten Daten der Konstanzer Homeoffice-Studie zeigen nun: Umgesetzt haben das, anders als häufig suggeriert, bislang nur 22 Prozent der Unternehmen. In diesen Unternehmen berichten Mitarbeitende aber auch wesentlich häufiger von erheblichen gesundheitlichen Problemen.

„Mitarbeitende mit Präsenzpflicht beklagen fast doppelt so häufig Belastungs- und Erschöpfungssymptome", erklärt Florian Kunze, Autor der Konstanzer Homeoffice-Studie und Principal Investigator am Exzellenzcluster „The Politics of Inequality“ an der Universität Konstanz. "Gleichzeitig stellen sie bei sich selbst kaum einen leistungssteigernden Einfluss der Präsenzarbeit fest. Das sollten Unternehmen bei der Entscheidung, ob eine Rückkehr zur Präsenzpflicht umgesetzt wird, unbedingt mit in den Blick nehmen."

Des Weiteren fragte das Forschungsteam nach dem generellen Wunsch hybrider Arbeitsformen und erhob die Meinung von Beschäftigten zu Homeoffice-Regelungen. Im Vergleich zu den vergangenen Befragungen ist der Wunsch nach Homeoffice leicht rückläufig, allerdings auf einem generell hohen Niveau. Nach wie vor wünscht sich die Erwerbsbevölkerung in Bürotätigkeiten in Deutschland, mehr als die Hälfte ihrer wöchentlichen Arbeitszeit von zuhause aus erledigen zu können. Haben die Befragten Führungsverantwortung, werden jedoch Unterschiede sichtbar (durchschnittlich 2,5 Tage im Vergleich zu 2,8 Tagen bei Angestellten ohne Führungsrolle).

Das könnte auch an der generellen Einstellung zu Homeoffice-Regelungen und deren Auswirkungen liegen: „Ein Drittel der Führungskräfte hält eine stärkere Präsenzpflicht für sinnvoll, während nur etwa ein Fünftel der Angestellten ohne Führungsverantwortung eine solche Regelung befürwortet“, erläutert Kilian Hampel, Co-Autor der Studie. Das wird umso deutlicher bei der Frage, ob im Homeoffice effiziente Arbeitsprozesse gewährleistet seien: 31 Prozent der Führungskräfte sehen das kritisch im Vergleich zu lediglich 15 Prozent unter Beschäftigten ohne Führungsverantwortung.

Über die Studie:
Seit Beginn der Coronapandemie 2020 untersucht das Future of Work Lab an der Universität Konstanz die Einstellung von Erwerbstätigen, Führungskräften und Unternehmen zum Homeoffice. Unter der Leitung von Florian Kunze, Professor für Organizational Behavior, erforscht das Team, wie sich mobiles Arbeiten und das Arbeiten im Homeoffice auf das Engagement, die Produktivität, aber auch emotionale Erschöpfung oder soziale Einsamkeit der Beschäftigten auswirken.

Die jüngste Erhebungswelle der empirischen Langzeitstudie fand im April 2024 statt und konnte auf eine repräsentative Stichprobe von 1.023 Teilnehmenden zurückgreifen (von denen 476 Führungsverantwortung besitzen). Davon werden rund 700 Teilnehmende seit Beginn der Erhebung regelmäßig befragt. Für sie war es bereits der 17. Befragungszeitpunkt.

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