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KI trifft vor allem Berufseinsteiger: Call Center besonders betroffen

 – Alexander Jünger

Künstliche Intelligenz verändert die Arbeitswelt deutlich schneller, als viele erwartet haben. Eine aktuelle Studie der Stanford University zeigt, dass insbesondere junge Arbeitnehmer im Alter zwischen 20 und 25 Jahren ihre Jobs in KI-intensiven Branchen verlieren. Betroffen sind vor allem klassische Studentenjobs und Tätigkeiten im Call Center.

Die Analyse von fünf Millionen Arbeitsverhältnissen ergab, dass die Beschäftigung junger Menschen in stark KI-geprägten Tätigkeiten um rund sechs Prozent zurückging. In Bereichen mit geringem KI-Einsatz, etwa im Handwerk oder in der Pflege, stieg die Zahl der jungen Arbeitskräfte hingegen um etwa neun Prozent. Besonders drastisch zeigt sich die Entwicklung in der Software-Entwicklung, wo die Beschäftigung seit Ende 2022 um etwa 20 Prozent eingebrochen ist. Auch in Call Centern, in denen KI-gestützte Sprachsysteme und Chatbots zunehmend Routineaufgaben übernehmen, sinkt die Nachfrage nach Nachwuchskräften.

Die Studienautoren weisen darauf hin, dass diese Entwicklung für Berufseinsteiger problematisch ist. Viele Jobs, die traditionell den Einstieg ins Arbeitsleben erleichtern, fallen weg. Ältere Arbeitnehmer scheinen dagegen weniger stark betroffen zu sein – in einigen Fällen konnten sie sogar hinzugewinnen. Die Erklärung: Während KI Prozesse und Fachwissen aus Datenbanken nachbildet, fehlt ihr die Erfahrung, die über Jahre hinweg im Umgang mit komplexen und unvorhersehbaren Situationen gesammelt wird.

Nina Hubig, Professorin für Explainable Artificial Intelligence an der IT:U in Linz, ordnet die Ergebnisse ein: „Berechtigt sind Sorgen insbesondere bei repetitiven Arbeitsabläufen und dort, wo generative KI bereits Teile kreativer Prozesse übernimmt.“ Sie empfiehlt Unternehmen, KI als Werkzeug zur Unterstützung zu positionieren, nicht als Ersatz. Schulungen und klare Einsatzrichtlinien seien entscheidend, um die Akzeptanz zu fördern.

Die Studie macht deutlich, dass KI zwar Effizienzgewinne ermöglicht, zugleich aber auch soziale Risiken birgt. Insbesondere junge Arbeitnehmer laufen Gefahr, beim Eintritt ins Berufsleben benachteiligt zu werden. Unternehmen sind daher gefordert, Weiterbildung und Kompetenzaufbau gezielt zu fördern, um die Chancen der Technologie nutzbar zu machen, ohne die nächste Generation auszubremsen.

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Die kompletten Studienergebnisse stehen hier - in englischer Sprache - zur Einsicht bereit …

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