US-Bürger entziehen sich Werbe-Anrufen
Nach jahrelangen Beschwerden hat die Regierung der Vereinigten Staaten seinen Bürgern eine Möglichkeit geschaffen, sich ungewünschten werblichen Anrufen zu entziehen und dafür eine zentrale Website eingerichtet. In nur wenigen Stunden registrierten sich hier daraufhin Hunderttausende Amerikaner mit ihrer Telefonnummer, die dann nicht mehr von Verkäufern angerufen werden darf. Die enormen Zugriffszahlen führten vorübergehend zu einem Kollabieren der Registrierungsseite.
Präsident George W. Bush erklärte bei der Verkündung der Initiative: "Wenn Amerikaner sich zum Abendessen hinsetzen oder wenn Vater oder Mutter ihrem Kind etwas vorlesen, dann ist das Letzte, was sie brauchen, ein Anruf von einem Fremden, der ihnen etwas verkaufen will."
Die US-Direktmarketing-Branche und der entsprechende Verband waren massiv gegen das neue Gesetz angegangen. Zum einen muss die Opt-out-Liste von den Telemarketern selbst finanziert werden. Zum anderen gibt es keine einheitliche Liste, die alle US-Bundesstaaten abdeckt, denn die Federal Communications Commission (FCC) hat sich für eigene Listen pro Bundesstaat entschieden.
Die Telemarketer in den Vereinigten Staaten argumentiertenweiter , eine Kontrolle durch die Bundesregierung sei verfassungswidrig und das im Falle der Verabschiedung des Gesetzes von den 6,4 Millionen Arbeitsplätzen in der Industrie dann ganze zwei Millionen auf der Kippe stünden. Drastische Umsatzeinbrüche werden außerdem befürchtet, denn Telemarketing ist auch in den USA ein rentables Geschäft. Laut Firmenangaben bringt jeder Dollar, der hier für Telemarketing ausgegeben wird, acht Dollar im Verkauf ein. Der damit erwirtschaftete Umsatz beläuft sich so auf 600 Milliarden Dollar.
Es wird erwartet, dass bis zu 60 Millionen Amerikaner auf diese Weise werblichen Anrufen einen Riegel vorschieben werden. Telemarketing-Firmen, die trotzdem weiter dort eingetragene Nummern kontakten, müssen mit einem Bußgeld von 11.000 Dollar pro Anruf rechnen. Auch der Geschädigte selbst kann einen Schadensersatz in Höhe von 500 Dollar vom werbetreibenden Unternehmen fordern.
Trotz der verschärften Regeln gibt es immer noch Ausnahmen. Non-Profit-Organisationen und politische Gruppierungen können weiterhin anrufen. Außerdem dürfen Unternehmen ihre Kunden, die bereits bei ihnen gekauft haben, bis zu eineinhalb Jahre nach dem Kauf weiter anrufen. Ist der Kunde damit nicht einverstanden, muss er mit der jeweiligen Firma ein Übereinkommen treffen.
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