Plaudertaschen sind produktiver
Wer sich im Job Face-to-Face mit seinen Kollegen austauscht, etwa beim gemeinsamen Mittagessen, arbeitet deutlich produktiver als derjenige, der nur über E-Mails, Telefon oder Internetnetzwerke kommuniziert. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Forschern der mit (Massachusetts Institute of Technology) und der New York University, wie das Institut in seinem Technology Review berichtet.
Die Forscher um Studienleiter Sandy Pentland von der MIT rüsteten Beschäftigte eines Call Centers in Rhode Island mit einem tragbaren Sensor aus. Das Gerät von der Größe eines Spielkartenstapels lässt sich wie ein Mitarbeiterausweis um den Hals tragen und zeichnet detailliert die sozialen Interaktionen der Probanden auf. Der so genannte Soziometer ist mit einem Beschleunigungssensor ausgestattet, der die Bewegungen der Mitarbeiter festhält.
Ein Mikrofon nimmt typische Spracheigenschaften wie Satzmelodie und Tonfall bzw. Sprechrhythmus auf, ein Bluetooth-Gerät misst, ob andere Leute mit Soziometer in der Nähe sind und ein Infrarot-Sensor erkennt Face-to-Face-Interaktionen. So kann man beispielsweise herausfinden, wie wichtig eine Person für ein soziales Netzwerk ist und wie kohäsiv, sprich eng oder geschlossen, sich ein solches Netzwerk verhält.
Small Talk in der Pause schlägt Informationsvorsprung
Auf der Where 2.0 Konferenz in Kalifornien vergangene Woche stellte Pentland einige Details der Studie vor. So kam sein Forschungsteam zu dem Schluss, dass die Mitarbeiter aus dem in den Test einbezogenen Call Center um zehn Prozent produktiver waren, wenn sie in ein enges soziales Netzwerk eingebunden waren. Zum Vergleich: Besserer Zugang zu Informationen konnte das Produktivitätslevel nur um vier Prozent anheben. Eine Gruppe netter Kollegen gebe einem den nötigen sozialen Rückhalt, nicht nur um harte Zeiten zu überstehen, sondern auch um die unausgesprochenen, unterschwelligen Regeln in einem Unternehmen zu lernen, erklärte der Professor in seinem Vortrag.
Der Trend Richtung Telearbeit widerspräche dem Resultat der Studie klar. „Wenn man von seinen Kollegen getrennt ist, bekommt man den sozialen Rückhalt nicht;man lernt die impliziten Dinge, das unausgesprochene Wissen nicht, das einem hilft, ein besserer Mitarbeiter zu sein“, sagte Pentland. Gemeinsame Kaffeepausen seien demnach essentiell. Als schlechtes Beispiel nannte er eine Firma, die die Pausen in einer Arbeitsgruppe so aufgeteilt hatte, dass die Mitarbeiter nie gleichzeitig pausieren konnten und so keine Kommunikation zwischen ihnen stattfand. Für einen Mehraufwand von null Dollar, zumindest was Arbeitskräfte betrifft, habe man das jedoch ändern können – mit einem enormen, positiven Effekt auf die Produktivität, sagte der Professor.
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