Österreichischer Dienstleister mit Call Center in der Ukraine
Der Linzer Versandhaus-Dienstleister Martin Sonntag betreibt seit Oktober in der Ukraine ein deutschsprachiges Call Center. Es dient als Überlauf für sieben deutsche Versandhändler wie etwa Design-Ikarus und Engelbert Strauss Berufskleidung. Seit Anfang Oktober heben in Lemberg 18 Damen und Herren freundlich in Deutsch ab und bedienen deutsche Versandhauskunden. Denn: "Der Österreicher akzeptiert keine ausländische Sprachfärbung", so Sonntag.
Lemberg wurde als Stadt mit deutschsprachiger Tradition gewählt. Die heute 800.000 Einwohner zählende Metropole war nach Wien, Prag und Budapest viertgrößte Stadt der Monarchie. Dort deutschsprachige Mitarbeiter zu bekommen, sei kein Problem, sagt Sonntag. Die technischen Probleme seien auch bald im Griff gewesen. Telefoniert wird kostensparend nicht über Telefonleitung, sondern via Internet, das über Linz geschaltet ist.
Martin Sonntag (Foto links) will das Call Center in der Ukraine mittelfristig nicht nur als Überlauf für überlastete Telefonannahmen deutscher Partner nutzen, sondern auch zur Bearbeitung des ukrainischen Marktes. Denn dort gebe es derzeit nur zwei Call Center und die sind staatlich. Sonntag sieht ein "großes Potenzial" für deutsche Versender, die in die Ukraine wollen. So sei etwa Neckermann am Sprung dorthin.
Die Kosten im Call Center würden sich auch langfristig rechnen und eine Verlagerung noch weiter weg, etwa nach Asien, sei nicht nötig. Doch auch jetzt ist es in der Ukraine nicht so preiswert, wie die Lohnkosten von etwa 100 Euro im Monat für einen Lehrer versprechen.
In Relation zur Produktivität seien die Kosten halb so hoch wie in Westeuropa, sagt Sonntag. Hier zu Lande würde man je Gruppenleiter zehn bis 15 Mitarbeiter benötigen. In der Ukraine sei eine solche Leitungsperson für vier bis fünf Beschäftige nötig. Nicht zu vergessen seien auch die zwei Buchhalter. In der Ukraine muss nämlich monatlich eine Bilanz abgegeben werden. Mehrwertsteuer ist zu zahlen wie in Österreich. Etwaige Umsatzsteuerguthaben gibt es hingegen nicht zurück.
Sonntag wickelt in Österreich mit seinem MSV-Versand mit zwölf Vollzeit-Arbeitsplätzen einen Jahresumsatz von zehn Millionen Euro ab, Tendenz steigend. Er betreut sieben deutsche Spezialversender, "Mit dem Sterben des alteingesessenen Fachhandels explodieren die Umsätze der Spezialversender", sagt Sonntag.
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