Kritik an steigender Vertretung britischer Hausärzte durch Call-Center
Britische Patientenverbände kritisieren eine neue Initiative des Londoner Gesundheitsministeriums, wonach viele Patienten des staatlichen Gesundheitsdienstes (National Health Service, NHS) nicht länger einen direkten Zugang zu ihrem Hausarzt haben, sollten sie nach Feierabend oder an Sonn- und Feiertagen krank werden. Immer mehr britische Primärärzte lassen sich nach Praxisschluss und an Sonn- und Feiertagen von Call Centern vertreten. Patientenverbänden zufolge verfügen die Telefonbeantworter jedoch oftmals über keinerlei medizinisches Background-Wissen. Dies gefährde Patientenleben.
Seit Anfang 2005 haben britische Hausärzte die Möglichkeit, Nacht-, Wochenend- und Feiertagsvertretungen an kommerzielle Serviceanbieter abzugeben. Die meisten Mitarbeiter absolvieren jedoch lediglich ein zweiwöchiges Ausbildungsprogramm, bevor sie in die Patientenberatung gehen. Dementsprechend schlecht seien die am Telefon gegebenen Ratschläge, so die Kritik der Patientenverbände.
Primärärzten entstehen durch die Vertretungen zwar jährliche Mindereinnahmen von durchschnittlich rund 6.000 Pfund (rund 9.000 Euro). Allerdings empfinden dies viele Mediziner laut britischen Ärztebund (British Medical Association, BMA) als große Arbeitserleichterung. Gesundheitsminister Dr. John Reid hofft sogar, durch die flexibleren Vertretungsregeln den Hausarztberuf wieder attraktiver zu machen. Meinungsumfragen nach schrecken die überlangen Arbeitszeiten sowie die ungünstigen Wochenend- und Feiertagsvertretungsdienste viele Jungakademiker vor dem Hausarztberuf ab.
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