Gewinnversprechen illegal, total egal?
In der Presse häufen sich zunehmend negative Berichte im Zusammenhang mit scheinheiligen Gewinnversprechen gegenüber Privatkunden. Auch Call Center sind daran beteiligt und tragen damit nicht unbedingt zur Imageverbesserung bei. So berichtete das Magazin Mex im dritten Programm der öffentlich rechtlichen Sendeanstalten am 27. März 2003 über die dubiosen Methoden des Alpenversands. Schon einmal ging dieses Unternehmen durch die Boulevard-Presse. Bereits im Januar 2003 versuchte das ZDF-Magazin Mona Lisa die Hintergründe und Verflechtungen im Dickicht mehrerer beteiligter Firmen zu ergründen.
In seiner Serie Gewinnversprechen berichtet das HR3-Fernsehmagazin Mex in seiner Sendung vom 27. März 2003 über Frau Margot N. aus Frankfurt, die permanent durch Anrufe genervt wird. Frau N. habe bei einem Preissauschreiben gewonnen. Obwohl sie sich nicht erinnern kann bei einem derartigen Gewinnspiel teilgenommen zu haben, freut sie sich über ihren funkelniegelnagelneuen Mercedes. Natürlich geht das nicht so schnell, denn weitere 49 Anwärter auf den Gewinn freuen sich ebenfalls. Um den Preis letztendlich abzusahnen, soll Frau N. nun an einer Lotterie teilnehmen.
Natürlich spricht Frau N. mit einem Agent in einem Call Center. Die HR3-Reporter, die einige der dort Angestellten scheinbar nach Dienstschluss vor dem Call Center abfingen, interessierten sich natürlich brennend für die Rahmenbedingungen der Telefon-Aktionen. Auf die Frage, woher den die Telefonnummern der "Gewinner" kämen, antwortet ein Angestellter: "aus unseren Telefonlisten aus dem Computer". Und auf die Frage, was denn noch so alles unter die Leute gebracht werde, hört man etwas von "Reisen, Abos und Lotterien". Großzügige Rabatte würden viele Zweifler letztendlich zum Kauf animieren.
Schon im Januar war das ZDF-Magazin Mona Lisa über den Alpenversand gestolpert. Im Beitrag "0190 - Abzocke mit Gewinnspielen" wurde über einen Fall berichtet, in dem Frau Margret M. einen Bar-Scheck über 25.000 Euro erhielt. Die einzige Bedingung, um den Scheck einzulösen: schnell eine 0190-Nummer anrufen... für 1,86 Euro pro Minute. Wer diese Nummer wählt, hört eine minutenlange Bandansage. Bis klar ist, das es hier keine Neuigkeiten gibt, sind bereits Telefongebühren von über 22 Euro fällig.
Auf der Suche nach den Schuldigen stieß da Mona Lisa-Team damals auf die Firma Linda's Central Versand (LCV), die ein Postfach mit der Nummer 555 im österreichischen Wolfurt, im Dreiländereck am Bodensee, angemietet hat. Eigentümer des Postfachs ist der Alpenversand mit Sitz in Wien. Hier verliert sich die klare Spur in einem europaweiten Netz verdeckt arbeitender Unternehmen, die gegenseitig ihr Adressmaterial austauschen. Die österreichische Staatsanwaltschaft, die sich inzwischen in den Vorfall eingeschaltet hat, vermutet die Drahtzieher indes in Deutschland. Dr. Franz Pflanzner, Leitender Staatsanwalt Feldkirch sprach von "ausschließlich Tatorten in Deutschland. Die Firmen sind in Deutschland, die Empfänger der Briefsendungen sind in Deutschland und die sollen ja veranlasst werden, aufgrund dieser Gewinnmitteilungen die gebührenpflichtigen Mehrwertnummern anzurufen. Und darin könnte ein betrügerisches Verhalten gelegen sein." Die Staatsanwaltschaft in Österreich hat die Unterlagen an die deutschen Kollegen weiter geleitet.
Eine heiße Spur führt tatsächlich nach Deutschland, denn den Vertrieb für LCV erledigt allem Anschein nach die Offenburger Telekommunikationsfirma Mediacom. Die Mona Lisa-Reporter erhielten jedoch die Aukunft, die Arbeit für die Firma LCV sei 2002 zu Ende gegangen und die angekündigten Gewinne seien korrekt ausbezahlt worden. Mediacom selbst hätte sich aus dem Geschäft mit der Vermietung von 0190-Nummern zurückgezogen.
Bleibt noch viel Arbeit für die Verbraucherverbände, die Regulierungsbehörde und den Verband Freiwillige Selbstkontrolle Telefonmehrwertdienste, um gegen die schwarzen Schafe vorzugehen.
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