CallCenter Profi

Der Trend ins Ausland

 – Simone Fojut

Schön, dass es wieder neue Arbeitsplätze in deutschen Unternehmen gibt. In der Fertigung von Handys, Automontage und in Call Centern. Schade nur, dass die Erfolgsmeldungen nicht aus Deutschland kommen, sondern aus dem slowakischen Bratislava, dem ungarischen Györ oder dem indischen Neu-Delhi.

Die deutsche Wirtschaft hat ein neues Schreckgespenst: die Flucht der Arbeit ins Ausland. Vor allem nach Osteuropa. Jüngstes Beispiel: Siemens. In Bocholt und Kamp-Lintfort demonstrieren seit Tagen Arbeiter gegen Pläne des Vorstands, die Produktion von Handys und schnurlosen Telefonen nach Ungarn zu verlagern. Längere Arbeitszeit oder Abwanderung lautet die Drohkulisse. 2.000 der 4.500 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel.

35.000 Arbeitsplätze gehen nach Einschätzung des Münchner Osteuropa-Instituts pro Jahr in Deutschland verloren und entstehen im Osten neu. "Das heißt aber nicht, dass diese Stellenzahl in Deutschland wegbricht"" sagt Instituts-Mitarbeiter Volkhart Vincentz. Vielfach zögen Auslagerungen der Produktion auch Investitionen im Inland nach sich. Laut Studie der Deutschen Industriebank sicherten oder schufen 60 Prozent der Unternehmen, die im Ausland investieren, auch in Deutschland Arbeitsplätze. Lediglich 21 Prozent haben als Konsequenz Arbeitsplätze im Inland abgebaut. Neue Ängste löst der Trend aus, dass nicht nur Jobs für Niedrig-Qualifizierte, sondern auch wissensintensive Beschäftigung ausgelagert werden.

Wenn Verwaltung, Forschung und Entwicklung abwanderten, erhalte die Verlagerung eine neue Qualität, warnt der DIHK. "Outsourcing" lautet das Zauberwort: Unternehmen wie SAP, die Deutsche Bank oder Lufthansa verlagern Arbeitsplätze nach Indien, gründen Call Center oder machen sich Indiens Computer-Spezialisten zunutze. Allerdings noch nicht in dem Maße wie britische oder amerikanische Firmen. Dort hat sich längst Protest formiert. Bei einem IT-Verband in den USA kann man seit neuestem T-Shirts bestellen. Aufdruck: "Mein Job ist nach Indien geschickt worden."

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