Studie: KI ist in Deutschland angekommen, aber nicht integriert

Künstliche Intelligenz ist in deutschen Unternehmen längst kein Experiment mehr. Mitarbeitende nutzen KI zum Schreiben, Analysieren, Programmieren oder zur Unterstützung von Geschäftsprozessen. Doch die Technologie verändert bislang nur selten das Unternehmen als Ganzes. Zu diesem Ergebnis kommt der neue „Global Enterprise AI Report“ von Publicis Sapient, für den 1.550 KI-Entscheider in Deutschland, den USA, Großbritannien, Frankreich, Australien und den Vereinigten Arabischen Emiraten befragt wurden.
Deutschland nimmt dabei eine besondere Rolle ein. Mit 35 Prozent gehört die Bundesrepublik zu den Ländern, in denen KI besonders häufig als „Kollege“ im Arbeitsalltag eingesetzt wird. Die Technologie unterstützt Teams bei der Erledigung von Aufgaben und ist in vielen Bereichen bereits fester Bestandteil täglicher Arbeitsabläufe. Gleichzeitig geben jedoch nur zehn Prozent der deutschen Befragten an, dass KI unternehmensweit vollständig integriert ist.
Genau darin sieht Publicis Sapient das zentrale Problem. Viele Unternehmen würden die breite Nutzung von KI-Tools mit echter Transformation verwechseln. Während Mitarbeitende längst mit KI arbeiten, laufen Budgetprozesse, Governance-Strukturen, Datensilos und Organisationsmodelle häufig unverändert weiter. Der Report spricht in diesem Zusammenhang von „AI Theater“: KI ist sichtbar, die erhofften Effekte auf Geschwindigkeit, Produktivität und Wachstum bleiben jedoch begrenzt.
Auch weltweit zeigt sich ein ähnliches Bild. Zwar nutzen 73 Prozent der Befragten KI regelmäßig oder in den meisten Geschäftsprozessen. Nur 38 Prozent sagen jedoch, dass KI grundlegend verändert, wie ihr Unternehmen arbeitet. Lediglich 18 Prozent berichten von einer vollständigen Integration über das gesamte Unternehmen hinweg. Gleichzeitig halten 47 Prozent die Technologie bereits heute für leistungsfähig genug, um geschäftliche Anforderungen zu erfüllen. Das eigentliche Problem sehen viele Befragte daher nicht in der KI selbst, sondern in den Strukturen ihrer Unternehmen.
Besonders deutlich wird diese Diskrepanz beim Blick in die Zukunft. In Deutschland erwarten 55 Prozent der Befragten in den kommenden zwölf bis 24 Monaten erhebliche Fortschritte bei der Skalierung von KI. Gleichzeitig halten sich nur zehn Prozent der Unternehmen für vollständig darauf vorbereitet. Die Erwartungen steigen damit deutlich schneller als die organisatorische Bereitschaft.
„Deutschland hat beim Einsatz von KI im Arbeitsalltag eine starke Ausgangsposition. Aber genau das macht die Lage so trügerisch“, sagt Matthias Schmidt-Pfitzner, Managing Director DACH bei Publicis Sapient. Wer KI lediglich auf bestehende Prozesse aufsetze, schaffe keinen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil. Der eigentliche Hebel liege darin, Betriebsmodelle konsequent rund um KI neu zu gestalten.
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