CallCenter Profi

Slukas kuriose Welt des Kundenservice: Ohne Moos nix los

 –  Alexander Jünger

Robert Sluka, Vize-Präsident des österreichischen Call Center Forums, ist seit mehr als 20 Jahren im Customer Care-Bereich tätig und Kenner der Branche. Aber er ist vor allem eines: selbst Kunde. In unserer neuen Serie "Slukas kuriose Welt des Kundenservice" gibt der Call Center-Manager des Jahres 2003 lustige Einblicke in seine Service-Erlebnisse. Heute: Die Deutschen, überaus korrekt, humorlos, aber fast schon wieder lustig!

Als regelmäßige Leserin oder Leser meiner Kolumne muss ich Ihnen die beste „Nicht-Ehefrau von Allen“ nicht mehr vorstellen. Meine Liebste kam an dieser Stelle schon mal vor. Die beste Nicht Ehefrau von Allen, wollte mir neulich eine Freude machen und ein Lederarmband via Internet bestellen. Das Objekt der Begierde war schnell gefunden:

Ein Lederarmband im Fossil-Onlineshop für 49 Euro. Sie kennen das! Man stöbert in Onlineshops und wird – natürlich! – fündig. Und dann gilt es nur noch gefühlte 78 Felder auszufüllen: Name, Adresse, Geburtsdatum, Name des Haustieres, Schuhgröße, sexuelle Vorlieben und Praktiken, Zahlart, Mädchenname der Mutter … und schon ist man am Ziel angelangt und bekommt eine Bestätigungsmail:

 

Als Bezahlart wählte meine Liebste: Auf Rechnung! Bestellt am 28. Juni. Lieferzeit: zwei bis vier Werktage. Zehn Tage gehen ins Land und Frau stellt sich die berechtigte Frage, wo eigentlich die Ware bleibt. Eine kurze, formlose E-Mail wird wohl Antworten liefern. Überraschend schnelle 75 Minuten später ist die verblüffende Antwort da:

Noch nie habe ich es so nett formuliert gelesen, dass die Zahlungsmoral der Wiener sagen wir mal „verbesserungswürdig“ zu sein scheint. Man hätte ja auch auf gut österreichisch texten können: „Rüba mim Süba!“, was sich etwa mit „Hermit der Penunze“ ins gut deutsche übersetzen lässt. Oder alternativ: „Erst wollen wir Asche sehen!“, „Rüber mit dem Bakschisch, den Flocken, dem Kies, der Knete, der Kohle, den Mäusen, Moneten, dem Moos. Wie auch immer – die Botschaft ist klar und unmissverständlich formuliert: „Rücken’s den Zaster naus, denn vurher schick ma Eich Gsindl nix!“ Ja so hätten sie auch schreiben können. Haben Sie aber nicht! Und es wird schon einen Grund haben, warum die Firma Fossil Europe in Grabenstätt sitzt! Grabenstätt am Chiemsee! Also von Passau nicht sooooo weit entfernt! Der Name scheint Programm zu sein und echt zu passen.

Es bleibt mir trotzdem ein Rätsel, warum sie nicht gleich bei der Bestellbestätigung informiert haben, dass nichts auf Rechnung nach Wien geschickt wird. Es hätte viel Ärger erspart – hätte uns aber auch um diese Kolumne gebracht.

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