NACHRICHTEN

Die Linke: "Eiskalte Klientelpolitik" in der Call Center-Branche

19.10.2010 - Ende September hatte die Fraktion Die Linke das politische Mittel der "Kleinen Anfrage" eingesetzt, und damit erwirkt, dass die Bundesregierung ihr Wissen über die Lage der Call Center-Branche kundtut. (CallCenterProfi berichtete ...) Die Antwort aus dem Bundesarbeitsministerium liegt inzwischen vor. Ebenfalls weitere Forderungen der Linken.

Der Nachrichtenagentur dapd liegen die kompletten Antworten auf die Kleine Anfrage im kompletten Wortlaut vor. Demnach waren Ende 2009 hierzulande rund eine halbe Million Menschen in 6.700 Call Centern beschäftigt. Bei 7,4 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Call Center-Branche war das Einkommen im vergangenen Jahr so niedrig, dass sie gleichzeitig auf Hartz IV angewiesen waren. Quer über alle Branchen liegt dieser Anteil im Bundesdurchschnitt fast dreimal niedriger (2,5 Prozent). Auch bei den geringfügig Beschäftigten mit ALGII bewegt sich der Anteil in der Call Center-Branche deutlich über dem Bundesdurchschnitt.

Dem gegenüber stehen Subventionen in Millionenhöhe. Wie aus der Antwort auf die Kleine Anfrage hervor geht, erhielten deutsche Call Center im vergangenen Jahr von Bund und Ländern Fördermittel von rund 18,2 Millionen Euro. Die Mittel gingen an Firmen in Brandenburg, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Sachsen-Anhalt.

Für Sabine Zimmermann, Arbeitsmarkt-Expertin bei den Linken, ein Grund zur Kritik: "Die Regierung subventioniert die Niedriglohnbranche der Call Center mit Millionengeldern, verweigert den Beschäftigten aber einen Mindestlohn", wird Zimmermann von der dapd zitiert. Das sei "eiskalte Klientelpolitik". Zimmermann forderte statt dessen, das die Vergabe von Fördermitteln künftig an "Kriterien von Guter Arbeit gekoppelt werden" müssten.

Die kompletten Antworten auf die Kleine Anfrage können Sie hier im pdf-Format downloaden ...

Bild: © Deutscher Bundestag / Lichtblick / Achim Melde

Autor(en): Alexander Jünger
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