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Darum zieht sich CallCenterProfi aus dem CCF zurück

03.03.2010 - Weil offene Briefe im Call Center-Umfeld gerade en vogue zu sein scheinen, veröffentlicht CallCenterProfi heute mal einen in eigener Sache ...

"Auch der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt" - mit diesem abgewandelten Zitat von Laotse endete der letzte offene Brief, der an die Vertreter der Call Center-Branche (und die, die sich künftig offen dazu bekennen sollen) gerichtet war. Auch wenn Laotse im Original eher von einem "Marsch" geschrieben hat, ändert das nichts am Bild. Doch an dieser Stelle möchten wir mit Lessing dagegen halten, der in Emilia Galotti bemerkt: "Noch einen Schritt vom Ziele oder noch gar nicht ausgelaufen sein, ist im Grunde eines."

Ehe sich die Ungeduldigen ausklinken, sei die Kernbotschaft vorab formuliert: CallCenterProfi beendet mit sofortiger Wirkung nach mehr als zehn Jahren die aktive Verbandsarbeit im Call Center Forum Deutschland e. V. (CCF). Die Gründe für diese - nach langer und reiflicher Überlegung getroffene - Entscheidung sind vielfältiger Natur. Auf die wichtigsten möchte ich gern eingehen.

Im ersten offenen Brief "an die CCF-Mitglieder und alle Call Center-Interessierte" wandten sich die Vorstände Oliver Erckert und Thomas Zacharias - auch über den CallCenterProfi - an die Branche. Das ehrenvolle Anliegen war es, mehr Mitglieder für das CCF zu werben, "für eine starke Branche". Man habe dem Verband "ein klares Prio 1 Thema gegeben: Mitgliedergewinnung". Parallel startete die Kampagne "Ich bin Mitglied!" und im gleichen Atemzug kehrten eine Handvoll Ausstatter und Zulieferer dem Verband den Rücken. Davon erfährt keiner etwas. Diese Fahnenflucht auf den so wichtigen Schritten des Marsches zum Ziel ist sicher nicht nur eine Folge der "Strafgebühr für Nicht-Call Center" in der CCF-Beitragsstruktur, sondern auch ein Echo des Gefühls, ein Mitglied zweiten Grades und sowieso vordergründig nur aus Vertriebsaspekten im Verband engagiert zu sein. Auch wenn der Vorwurf teilweise berechtigt sein mag, so kommen wir doch hier zum ersten Mal mit einem wesentlichen Verbandsbenefit in Kontakt: Dem konkreten Nutzen für das jeweilige Mitglied. Und der kann nun mal sehr unterschiedlich gelagert sein.

Weiter heißt es, dass der, der etwas bewegen will, Budgets benötigt: "Und die nötigen finanziellen Mittel erhält das CCF über Ihre Mitgliedschaft, denn nur so können wir eine effiziente Arbeit für Sie gewährleisten." Für einen Spendenaufruf ist diese Handlungsanweisung etwas zu salopp formuliert. Für einen geldwerten Mitgliedsbeitrag darf mit gutem Recht ein spürbarer Gegenwert erwartet werden. Ein Nutzen, der das eigene (zeitliche und finanzielle) Engagement gegenüber sich selbst (und gegenüber den eigenen Vorgesetzten) zu verargumentieren vermag. Die Vorstände fragen: "Warum ist ein Unternehmen, das über sechs- oder siebenstellige Call Center-Budgets pro Jahr umsetzt oder ausgibt noch nicht Mitglied im Call Center Forum?" Sie antworten sich selbst: "Weil der Nutzen nicht erkannt wird." Oder doch eher weil er schlichtweg für sie nicht vorhanden beziehungsweise nicht greifbar ist?

Ein anderer Grund für die Verweigerung zum CCF muss einfach am Namen liegen! So eine weitere Erkenntnis der Vorstände. Das haben sich die Sales Force Automatisation-Anbieter damals auch gedacht, als sie plötzlich Customer Relationship Management und später Customer Experience Management als Produktetikett proklamierten. Füllen auch Sie alten Wein in neue Schläuche und folgen Sie dem Ruf der CCF-Vorstände: "...wie lautet Ihr persönlicher Vorschlag, das zu sagen, was wir sind und vor allem sein möchten?" Die Meinung des CallCenterProfi dazu: Wir sind, was wir sind. Was wir sein möchten, geht nicht automatisch in Erfüllung, indem man sich nur nach dem Ziel benennt. Salz bleibt immer Salz - auch wenn man es in ein mit "Zucker" beschriftetes Gefäß füllt.

Abgesehen von all diesen Punkten war es seit jeher ein Diskussionsthema innerhalb der CallCenterProfi-Redaktion, ob sich ein Fachmagazin überhaupt aktiv ins Verbandsleben integrieren soll. Auf der einen Seiten stehen wir für neutrale Berichterstattung und lehnen durch uns initiierten Lobbyismus ab, auf der anderen Seite sind wir wahlberechtigtes Mitglied und geben mit unserer Stimme damit auch die künftige Marschrichtung vor.

Mit Berücksichtigung auf die eingangs formulierten Punkte haben wir uns diese Frage erneut gestellt und sind nun zur Entscheidung gelangt, die aktive Verbandsarbeit nicht weiter zu führen, sondern - im Zuge unserer Informationspflicht - nur noch als Beobachter zu begleiten. Dies ist keine Entscheidung gegen das CCF, sondern vielmehr ein Weg, der die weitere Zusammenarbeit auf eine adäquate und angemessene Beziehungsebene hebt. Selbstverständlich war der CCF-Vorstand frühzeitig über die Pläne informiert.

Für Sie, die Leserinnen und Leser des CallCenterProfi, ändert sich nichts. Natürlich bleiben wir weiter ganz nah an den Verbands- und Vereinsaktivitäten der Call Center-Landschaft dran und halten Sie über alles Wichtige auf dem Laufenden.

Und so schließen wir ebenfalls mit einer Ziel-Metapher eines weisen Chinesen - nicht mit der eines wahrscheinlich niemals existent gewesenen Philosophen namens Laotse, sondern mit der des Großkaufmanns und Staatskanzlers Lü Buwei: "Je heftiger man nach etwas strebt, desto weiter kommt man vom Ziele ab."

Ihre Simone Fojut
Chefredakteurin CallCenterProfi

Foto: http://www.pixelio.de/ / Konstantin Gastmann


Autor(en): Simone Fojut
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